| Scientology | Nazis |
| Glauben das Recht zu richten zu besitzen. | Kein Unterschied |
| Demokratie gilt als ungeeignet und unterdückerisch. | Kein Unterschied |
| Erheben Führeranspruch. | Kein Unterschied |
| Eigene/andere Meinung wird nicht toleriert. | Kein Unterschied |
| Nur eine Welt voller „Clears“ kann funktionieren. | Ersetze „Clears“ durch Nazis |
| Glauben an die Verschwörung der Juden. | Kein Unterschied |
| Propagieren die Überlegenheit der „Thatanen“. | Ersetze "Thetanen" durch „Arier“ |
| Fordern eine „Säuberung“. | Kein Unterschied |
| Fühlen sich von Göttern auserwählt. | Kein Unterschied |
| Hubbard verspricht individuelle Unsterblichkeit. | Hitler versprach das deutsche Volk in der Geschichte zu verankern. |
| Fordern einen „geclearten“ Planeten. | Suche nach der „Endlösung“. |
Wurzeln von Scientology,
Es gibt viele Versuche, die Weltanschauung L. Ron Hubbards und damit das Phänomen Scientology zu erklären. Einige davon, etwa die kritische Biografie Bare-Faced Messiah 1)) oder die Insiderberichte A Piece of Blue Sky 2) sowie Scientology und (k)ein Ende 3), haben wichtige Mosaiksteinchen zusammengetragen. Was aber allen bisher erschienenen Abhandlungen über das Thema fehlt, ist ein Vergleich Hubbards mit seinem stillen Vorbild: Hitler.
Dabei liegen die Parallelen auf der Hand - sowohl in der Ideologie als auch bei Struktur und Organisation von Scientology und Nationalsozialismus: Beide Systeme wären ohne den sogenannten Führerkult nicht denkbar; in beiden spielt die vom englischen Philosophen Thomas Hobbes beschriebene Figur des Leviathan eine entscheidende Rolle. Durch die Gleichsetzung des „Mortal God“, in dem Hobbes zunächst den Staat, den „Commonwealth“, gemeint hat, mit einem politischen Führer wird dieser Figur das Recht zugeschrieben zu beurteilen, was für das Volk gut oder schlecht ist, welche Meinungen und Lehren geeignet sind, die Einheit des Volkes zu wahren und zu fördern.
Hitlerismus und Hubbardismus können daher als politische Religionen 4)) bezeichnet werden, deren Inhalte sich von Gott als der Spitze des hierarchischen Systems lösen, so daß sich die Ekklesia verselbständigt und innerweltlich schließt. Die Innerweltlichkeit fußt auf der „Kenntnis der Welt als Inventar von Seinstatsachen [und auf dem] Wissen um ihre Wesens- und Kausalzusammenhänge.“ 5) Dieses Wissen wird einem „Führer“ (Erlöser) zugeschrieben, der das Schicksal des Volkes lenken soll und von seinen Untergebenen als gottähnliche Instanz anerkannt sein will.
Um den absoluten Machtanspruch durchzusetzen, gelten demokratische Staatsformen als ungeeignet: Der Führerkult toleriert weder freie Wahlen noch Meinungsfreiheit. Für den Nationalsozialismus hat Otto Koellreutter dieses Prinzip in aller Deutlichkeit beschrieben: „Der Führerstaat trägt immer antiliberale Züge; und er kann auch niemals geprägt und gestaltet werden durch den Typus des liberalen Menschen, sondern nur durch den Typus von Männern, die sich ihrer inneren Verbundenheit mit Volk und Staat stets bewußt sind.“ 6)
So scheint es in Hubbards Gedankenwelt logisch, daß alle bisherigen Demokratien die Menschen nur unterdrückt hätten, alles christliche, aufklärende und parlamentarische Bemühen schon immer nur den Zweck gehabt hätte, die Menschheit in Krankheit, Krieg und Katastrophen zu treiben.
Scientology 7), so gaukelte der Gründer der Bewegung seinen Anhängern vor, „gibt uns eine erste Chance zur Schaffung einer wahren Demokratie“ 8): einer neuen Gesellschaft ohne Kriminalität, Gewaltkonflikte und Drogen, wie es in Propagandaschriften der Bewegung heißt. Diese Welt scientologischer Bauweise sei jedoch „[…] nur in einer Nation von Clears 9) möglich.“ 10) Cyril Vospers schreibt dazu in The Mind Benders: „Hubbard sagt, daß es zunächst der Wei-terbildung des Menschen mittels Scientology bedarf, bevor irgendein politisches System funktionieren kann.“ 11)
Freilich gab Hubbard seiner Vision keine Garantieerklärung: Denn bis zum Erreichen des scientologischen Wunderstaats habe die Menschheit einen weiten Weg vor sich, da die von ihm angestrebte Entwicklung durch zahlreiche Widersacher („Suppressive Persons“ 12)) behindert werde. All jenen, die sich der Ausbreitung seiner Ideologie in den Weg stellen, widmete Hubbard ausführliche Beschreibungen und stilisierte sie damit in den Augen der Anhänger zum Feindbild. Dabei befolgte er ein wesentliches Erfolgsrezept bei der Bildung von Massenbewegungen, wie es Eric Hoffer in The True Believer 13) definierte: „Massenbewegungen können auch ohne den Glauben an einen Gott florieren, niemals aber ohne den Glauben an einen Teufel.“ Scientologys Teufel ist die „unterdrückerische Person“.
Zu den „Unterdrückern“ zählen laut Hubbard rund 2,5 Prozent der Erdbevölkerung, die auf den Rest - selbst auf Mitglieder der Scientology-Bewegung - starken Einfluß ausüben würden. Sie müßten daher, so die kranke Logik des Gründers, mit allen vorhandenen Mitteln bekämpft werden.
Weitere 17,5 Prozent der Menschen seien darüber hinaus als Gefahrenpotential („Potential Trouble Source“ 14)) einzustufen. Die verbleibenden 80 Prozent wären Unwissende, aber Lernfähige („Preclears“ 15)), denen er als selbsternannter Erlöser das „Wissen vom Wissen“ 16) vermitteln wollte, um damit sein proklamiertes Endziel zu verwirklichen: einen „befreiten Planeten“ („Clear Planet“) 17).
Um dieses Ziel zu erreichen, wollte Hubbard nicht nur Tausende von unmündigen Anhängern mit einem Angebot pseudotherapeutischer Kurse und der „Church of Scientology“ an seine Bewegung binden, sondern auch Schaltstellen in Wirtschaft und Politik besetzen, was ihm – respektive dem bereits vor dem Tod des Gründers im Jahre 1986 an die Spitze der Bewegung gelangten Ziehsohn David Miscavige – in einigen Ländern, vor allem in Südafrika, Lateinamerika und Osteuropa, in Ansätzen gelungen zu sein scheint.
Genau wie Hitler seinen Judenhaß mit einer angeblichen „jüdischen Weltverschwörung“ 18) scheinbar begründete, die er aus den Protokollen der Weisen von Zion 19) und aus anderen Quellen herausgelesen haben wollte, wähnte sich auch Hubbard einer Verschwörung auf der Spur: Bei ihm waren Psychiater und Priester die Übeltäter. Deren prinzipielle Mission sei es, die Menschheit zu schlechten Taten anzustiften und zu versklaven. Hubbard, der bisweilen als „pathologischer Lügner“ 20) eingestuft wurde, hämmerte seinem Gefolge ein, diese Verschwörung bekämpfen zu müssen und die Menschen durch die Vermittlung scientologischen „Wissens“ auf die rechte Bahn zu bringen: auf die „Brücke zur totalen geistigen Freiheit“ 21). Er versprach ihnen, als „Operierende Thetanen“ 22) einen von den Rassefanatikern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts analog für die „Arier“ postulierten, höheren Entwicklungsstand zu erreichen.
Die traditionellen Religionen und die mit ihnen verbundenen sakralen Institutionen waren nach Meinung Hubbards „Bewußtseinsimplantate“ 23), die der kollektiven Seele der Menschheit 24) während ihrer Frühzeit eingesetzt worden seien, um zu verhindern, daß die Menschen ihren universalen Ursprung erkennen würden. Am Ende könnten alle „Preclears“ Götter werden, die in Hubbards Kosmogenese „die Welt als Spiel erfanden, in das sie selbst hinabstiegen, um dann Opfer ihres eigenen Vergessens zu werden und somit in ihrem Spiel gefangen zu bleiben“. 25)
Um seine Anhänger von diesen Hirngespinsten zu überzeugen, verformte der Scientology-Gründer schließlich das von den Nationalsozialisten propagierte Synonympaar „Jude: Untermensch“. Ihm entspricht bei Hubbard die Assoziation „Psychiater (kosmische Tyrannen): Menschenfeinde“ 26), deren Herleitung von ähnlichen Traumata und Einflüssen geprägt war wie Hitlers antijüdischer Wahn. Hubbard brandmarkte die Psychiatrie als irdischen Vollstrecker eines tyrannischen Wesens aus den Tiefen des Universums und stellte sie gleichzeitig als Grundübel der Menschheit dar. Unzählige anti-psychiatrische Hetzschriften der Scientology-Bewegung künden bis heute von dieser Manie. 27)
Hubbard erweiterte das völkische Prinzip des Rassismus deutscher Prägung um die kosmische Komponente: Er faßte den größenwahnsinnigen Plan, das gesamte Universum zu retten, indem er die vermeintlichen Ursachen aller weltlich-materiellen Probleme und Konflikte auf spiritueller Ebene bekämpfen und unwirksam machen wollte. Im Zuge dieser psychisch-seelischen „Säuberung“ der Welt machte er die An-hänger seiner Bewegung zu göttlichen Kämpfern des Guten, zu unsterblichen Soldaten des Lichts.
Daß dieser Gedanke nicht neu war, muß Hubbard gewußt haben, als er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seine Vision zu Papier brachte. So war der Scientology-Gründer im Grunde ein Plagiator – selbst wenn er vorgab, sein Wissen entstamme „vielen Jahren exakter Forschung und gewissenhafter Überprüfung“. 28) Hubbards Devise lautete aber: Besser gut kopiert, als schlecht erfunden. Etliche Theorien, die er als eigene Erkenntnisse auswies, stammen aus naturwissenschaftlichen, psychologischen und philosophischen Werken verschiedenster Epochen. 29) Er übernahm, was er für richtig hielt - ganz gleich, wessen Gedankengut er sich dadurch zueigen machte. Mal mußte Anastasius Nordenholz herhalten, mal Sigmund Freud 30), mal Alfred Korzybski. Selbst bei den ihm als Ausgeburt des Bösen geltenden Psychiatern hat er abgekupfert. 31) Aus dem gesammelten Halbwissen konstruierte er schließlich eine „geheiligte Wissenschaft“ 32), in dessen Zentrum noch heute Hubbard selbst und der Anspruch auf die absolute Gültigkeit 33) seiner Lehre stehen.
Knapp zehn Jahre hatte Hubbard gebraucht, um die okkulten Ingredienzen seiner Ideologie zusammenzustellen - eine Mixtur mystischer Manipulationen, wie sie Robert Lifton als Kriterium in seiner Definition totalitärer Systeme aufstellte 34): Danach berufen sich Führer solcher Systeme oft „… auf die Geschichte, Gott oder eine übernatürliche Macht, die die Auserwählten dazu berufen hat, das mystische Gebot zu erfüllen“. 35) Hubbards Gespinste von Thetanen und kosmischen Tyrannen erfüllen das Kriterium genauso wie Hitlers Bild der arischen Rasse und des deutschen Volkes, das auserwählt gewesen sei, die Welt ihrer wahren Bestimmung zuzuführen 36). Hitler versprach, das deutsche Volk in der Geschichte unsterblich zu verankern - Hubbard ging einen Schritt weiter: Er winkte seinen Anhängern mit der individuellen Unsterblichkeit.