Operation Snow White

Aus dem englischen Wikipedia-Artikel:

„Operation Snow White“ (Schneewittchen) war während der 1970er Jahre Scientologys Bezeichnung für ein Projekt, um unliebsame Aufzeichnungen über Scientology und dessen Gründer L. Ron Hubbard verschwinden zu lassen. Dieses Projekt beinhaltete eine Serie von Unterwanderungen und Diebstählen von 136 Regierungsstellen, ausländischer Botschaften und Konsulate, sowie privaten Scientology-kritischen Organisationen. Es wurde von Mitgliedern der Sekte in über 30 Ländern durchgeführt1) und war die umfassenste Unterwanderung der Regierung in der Geschichte der Vereinigten Staaten2) mit bis zu 5.000 verdeckt arbeitenden Agenten. Die Operation führte auch zur Offenlegung von “Operation Freakout“, denn durch diese Aktivitäten wurde die Regierung auf Scientology aufmerksam und begann mit Ermittlungen.3)

In diesem Programm führten Scientology-Agenten Unterwanderungen aus, hörten Telefonleitungen ab und stahlen Dokumente aus Regierungsbüros, vornehmlich aus denen der US-Finanzbehörde. Elf hochrangige Scientology-Führungskräfte, einschließlich Mary Sue Hubbard (Frau von Hubbard und stellvertretende Führerin der Organisation), bekannten sich schuldig oder wurden von Bundesgerichten der folgenden Vergehen für schuldig befunden: Behinderung der Justiz, Einbruch in Regierungsbüros und Diebstahl von Dokumenten und Regierungseigentum.4) 5) 6) 7)

Hintergrund

Das „Schneewittchen-Programm“ wurde von L. Ron Hubbard8) als ein Versuch erdacht, die unliebsamen Aufzeichnungen über Scientology und Hubbard selbst, die sich im Besitz von Regierungsstellen (besonders der US-Finanzbehörde) und Interpol befanden, entweder zu verringern oder komplett zu eliminieren. Hubbard selbst wurde wegen seiner Beteiligung an der Operation von Bundesermittlern als ein „nichtangeklagter Mitverschwörer“ bezeichnet. Es existieren ausführliche Aufzeichnungen über seine Beteiligung, allerdings behaupten viele Scientologen, daß seine Anweisungen von seinen Jüngern fehlinterpretiert wurden.9) 10)

Scientology-Dokumente, bekannt als „Snow White Operationsziele“ beschreiben die im Fadenkreuz befindlichen Behörden. Andere Pläne der Operation beinhalteten, Petitionen bei Regierungen und den Vereinten Nationen einzureichen, um Regierungsgegner von Scientology des Völkermords zu beschuldigen. Die Theorie dahinter besagte, daß offizielle Kritik „der Gruppe absichtlich auferlegte Lebensbedingungen, um deren physische Zerstörung herbeizuführen“ darstelle.11) Eine der Urteilsbegründungen in dem Fall bemerkte auch, im Gegensatz zu den Behauptungen der Verteigiger, daß die vom Guardians Office geplanten Programme nicht nur auf die versuchte Entfernung von „Falschaufzeichnungen“ beschränkt gewesen seien, sondern zusätzlich die Aufnahme von Fehlinformationen beinhalteten. Zum Beispiel die Eingabe falscher Berichte über „eine Katze mit Rassennamen“ in Computer der US-Sicherheitsbehörden, so daß „die Kreatur [später] eine Pressekonferenz abhält und ein Bildbericht herauskommt“. Der Zweck dieses Plans war, „die amerikanische Sicherheit der Lächerlichkeit preiszugeben, wie von LRH im GO dargestellt.“12)

Ermittlungsergebnisse

FBI-Razzien auf Scientology-Grundstücken brachten 1977 nicht nur gegen die Regierung der Vereinigten Staaten gerichtete illegale Aktivitäten der Gruppe ans Tageslicht,13) sondern auch illegale Aktivitäten gegen andere Personen und Organisationen, die von Scientology als Feinde wahrgenommen wurden. Diese beinhalteten “Operation Freakout“, eine Verschwörung, um Autorin Paulette Cooper anhand gefälschter Bombendrohungen verurteilen zu lassen, als auch Verschwörungen, um Gabe Cazares, den Bürgermeister von Clearwater, Florida, fälschlicherweise der Fahrerflucht zu beschuldigen.14) 15) Die Aufzeichnungen beinhalteten außerdem, daß Sir John Foster (Autor der offiziellen Untersuchung von Scientology seitens der britischen Regierung) und Lord Balniel (der den Bericht angefordert hatte) als Ziele angesehen wurden, ebenso wie die National Association for Mental Health (NAMH, Nationaler Verein für mentale Gesundheit) und die World Federation for Mental Health (Weltverband für mentale Gesundheit).16)

Beteiligte Parteien

Mary Sue Hubbard, Cindy Raymond, Gerald Bennett Wolfe, Henning Heldt, Duke Snider (nicht zu verwechseln mit dem Baseballspieler des selben Namens), Gregory Willardson, Richard Weigand, Mitchell Herman, Sharon Thomas, Jane Kember, und Mo Budlong, alles hochrangige Scientologen, wurden verurteilt und für fünf Jahre ins Gefängnis geschickt. Kendrick Moxon wurde als „nichtangeklagter Mitverschwörer“ aufgeführt, da er gefälschte Handschriftproben an das FBI geliefert hatte.17) Seit 1999 ist Moxon Scientologys leitender firmeninterner Anwalt.18) L. Ron Hubbard wurde von Bundesermittlern als „nichtangeklagter Mitverschwörer“ genannt.19)

Auswirkungen des Skandals

Scientology ist bemerkenswert unwillig, was Diskussionen zu den Details dieser Operation angeht. Typische Statements von Mitgliedern und Funktionären sind oft vage Kommentare, in denen behauptet wird, das Guardians Office sei „unterwandert“ und „hereingelegt“ worden, um seine Mission - Scientology zu beschützen - zu vereiteln, daß die Beteiligten aus Scientology „herausgeworfen“ wurden, ohne wirklich klarzustellen, was genau getan wurde (obwohl angedeutet wurde, daß viele der beteiligten „Herausgeworfenen“ in bedeutenden Positionen innerhalb Scientologys verblieben).20) Es ist bekannt, daß Vertreter von Scientology im Internet und bei diversen anderen Gelegenheiten behaupteten, die Funktionäre hätten „nichts Schlimmeres getan, als Kopierpapier zu stehlen“.21)

Auswirkungen in Kanada

Als Resultat der aus Behörden gestohlenen Dokumente in Kanada und anderen verdeckten Aktivitäten, zu denen im Fall von Operation Snow White Beweise gesammelt wurden22) 23), hat man in Ontario Ermittlungen zu Scientology in die Wege geleitet. Dies führte zu einer großangelegten Polizeirazzia, die vom 3. bis 4. März 1984 gegen Scientology in Toronto ausgeführt wurde. Der Fall der Regierung gegen die „Kirche von Scientology Toronto“ begann am 23.04.199124) und führte zur Verurteilung von sieben Scientology-Mitgliedern, die schuldig befunden wurden, gegen mehrere Organisationen operiert zu haben, unter anderem die Polizei der Provinz Ontario, das Ministerium des Staatsanwalts von Ontario und die Königliche Kanadische Berittene Polizei (Royal Canadian Mounted Police, RCMP). Außerdem wurden zwei Verurteilungen wegen kriminellen Bruchs des öffentlichen Vertrauens gegen Scientology selber ausgesprochen, aufgrund der Unterwanderung der Büros der Polizei der Provinz Ontario sowie des Ministeriums des Staatsanwalts von Ontario. Scientology wurde zu einer Geldstrafe von $250.000 verurteilt.25) 26) 27)

Weiterer Lesestoff

Externe Dokumente (Englisch)

8) Miller, Russell (1987). Bare-faced Messiah, The True Story of L. Ron Hubbard. Henry Holt & Co. ISBN 0-8050-0654-0. http://www.clambake.org/archive/books/bfm/bfmconte.htm
9) Marshall, John (1980-01-24). "[[scientology:schluesselpersonen:L. Ron Hubbard|Hubbard still gave orders, records show“]], The Globe and Mail. Retrieved on 14 September 2006. (archived at rickross.com)
10) , 19) Robert W. Welkos; Joel Sappell (1990-06-24). "Burglaries and Lies Paved a Path to Prison", Los Angeles Times.
11) Project stepmother, SWOT 17 United Kingdom, April 20, 1973 (archived at Operation Clambake)
13) "Scientology: Parry and Thrust". TIME Magazine (1977-07-25).
14) Charles L. Stafford; Bette Orsini (1980-01-09). "Scientology: An in-depth profile of a new force in Clearwater" (PDF, 905K), St. Petersburg Times. Original (18M)
15) Beresford, David (1980-02-09). „Sect framed journalist over „bomb threats““, The Guardian.
16) Beresford, David (1980-02-07). „Snow White's dirty tricks“, The Guardian.
18) "Operation Snow White". LMT International.
20) The President answers your questions: What is the Guardian’s Office and does it still exist? (Link zur FAQ auf der Scientology-Homepage)
21) Ortega, Tony (Sept. 9, 2001). „Sympathy for the Devil“. New Times Los Angeles.
22) John Marshall, Secret Ontario documents found in U.S. cult's files, The Globe and Mail, January 22, 1980.
23) John Marshall, Cult harassment, spying in Canada documented, The Globe and Mail, January 23, 1980.
24) Reynolds, W. Richard (1991-04-23). "Scientology church on trial in Canada", St. Petersburg Times, p. 8.A.
26) Morgan, Lucy (1999-03-29). "Abroad: Critics public and private keep pressure on Scientology", St. Petersburg Times. Retrieved on 7 September 2007. „Canada's highest court in 1997 upheld the criminal conviction of the Church of Scientology of Toronto and one of its officers for a breach of trust stemming from covert operations in Canadian government offices during the 1970s and 1980s.“
27) Claridge, Thomas (1992-09-12). „Church of Scientology fined $250,000 for espionage“, Globe and Mail.
 
scientology/gefahren/umgang-mit-kritik/operation-snow-white.txt · Zuletzt geändert: 24.06.2011 09:55 (Externe Bearbeitung) · [Ältere Versionen]